Kehrtwende notwendig? Steile These!
In den ganz großen spirituellen und religiösen Systemen geht es immer wieder um eine Art Kehrtwende. Oder um Erlösung, Umkehr, Einkehr, Heimkehr, Wiederkehr …usw. – nur um einige der vielen Synonyme und ähnlichen Begriffe zu nennen die in eine grobe Richtung zeigen. Nämlich weg von der aktuellen Position, weg von und hin zu einer, wie auch immer gearteten, aber vom Betreffenden besser oder am Besten bewerteten Positionierung. Auch hier stoßen schon, ganz am Anfang der Entwicklung des Gedankens die Begriffe schon an ihre Grenzen. Denn es tut sich sogleich die Frage auf: Wovon handelt die Position oder Lokation? Ist es, wenn überhaupt, ein physischer Ort. Oder ein astraler oder geistiger Ort? Kehre ich nur einen Teil diesem Ort oder Zustand zu?
Doch nun erstmal zurück zur Anfangsthese. Ist die Kehrtwende wirklich, eine menschliche Notwendigkeit? Das siehe eine wesentliche Rolle spielt in der Entwicklung der Menschheit, darauf kann sich viel eher und auch leichter geeinigt werden. Aber eine Notwendigkeit, würde heißen, dass dem Menschen die Kehrtwende so nötig ist wie das Atmen zum Leben.
Daher soll nun erst mal eine Definition von Kehrtwende gegeben werden, mit der in diesem Text operiert wird.
Definition Kehrtwende:
Ein innermenschlicher Wechsel der Bewusstseinsausrichtung im Menschen.
Es erfolgt eine Abwendung von etwas, dass nicht erstrebenswert bewertet wird, hinzu etwas, dass als erstrebenswert angesehen wird.
Annahmen: Der Mensch ist eine Drei-Einheit zwischen Körper, Seele und Geist.
Nun sollen einige exemplarische Kehrtwendekonzepte aus spezifischen Kontexten behandelt werden.
Kehrtwende im christlichen Kontext
Im christlichen Denkrahmen kann eine Kehrtwende fast synonym mit dem Begriff und Konzept der Buße beschrieben werden. Die Buße beschreibt eine Abkehr von der Sünde (Zielverfehlung, eine Haltung und ein Verhalten, dass Gott nicht wohlgefällig ist und daher dessen Zorn und Gericht nach sich zieht), hin zu Gott. Der Gläubige wendet sich von seinem bisherigen weltlich-irdisch ausgerichtetem Verhalten ab, und richtet sein Leben und seine Handlungen nun nach himmlisch-göttlichen Maßstäben aus. Dies bewirkt immer eine Erlösung von Sünde und die Freisetzung zu einem neuen, ewigen Leben in Gott. Ein Leben in Heiligung. Dies setzt daher jedoch auch eine Erlösungsbedürftigkeit voraus.
Kehrtwende im Hinduismus
Auch hier ist eine Erlösungsbedürftigkeit vorausgesetzt. Solange der Gläubige sich nicht abwendet von der Illusion der Maya und sich von den Verstrickungen in Indras Netz löst, bleibt er als Geschöpf im Rad der Wiedergeburten ewig gefangen. Eine Abkehr von der materiell-irdischen Welt hinzu der geistig-göttlichen Welt hilft im sich nach und nach von allen Anhaftungen der Seele an die materielle Welt zu befreien und in die geistig-göttliche Welt einzugehen. Dies geschieht auch durch die Zuwendung auf die und liebevolle Hingabe an die geistig-göttliche Welt in diesem Leben (Bhakti).
Kehrtwende im Buddhismus
Im Buddhismus gibt es einige Parallelen zum Hinduismus.
Ein Entscheidender Unterschied liegt hier im Ziel, welches nicht die geistig-göttliche Welt ist, sondern das Nirvana, die Existenzlosigkeit. Somit endet auch das Leiden, da das Leben Leiden ist. Somit kehrt sich der Gläubige hier vom Leben und Leiden ab, hin zur Erleuchtung und letztlich dem Nirvana, was ebenso bewirkt, dass die Person nicht wiedergeboren wird.
Kehrtwende im Esoterischen und New Age Umfeld
Auch hier, als Sammelbezeichnung für sehr viele Bewegungen, Konzepte und Weltanschauungen, geht es letztlich um eine persönliche Kehrtwende. Weg von alten Konditionierungen, Blockaden und Ahnenbelastungen hinzu einem neuen ICH, dass besser, idealer, vollkommener und erleuchteter ist.
Es ist in diesen sehr stark verkürzten und zusammengefassten Ansichten erkennbar, dass überall nach einer Abkehr von etwas Vergangenem, wie Schuld, Anhaftung oder Konditionierung, hin zu einer Erlösung, Erleuchtung oder Verbesserung gesucht und gestrebt wird.
Der Mensch erkennt meistens instinktiv, dass er etwas in und an sich verändern muss. Dass etwas nicht stimmt. Dieses Gefühl ist ein Hinweis und ein Ausdruck seiner Erlösungsbedürftigkeit. Auch wenn er es am Anfang meist noch gar nicht richtig beschreiben kann.
Desweiteren sei angemerkt, dass die meisten Systeme und Konzepte, welche implizit eine Erlösungsbedürftigkeit beschreiben oder feststellen oft auch mehr oder weniger konkrete Angaben und Beschreibungen des Menschen liefern, der noch davor lag. So gibt es in vielen religiösen Texten die Beschreibung des Menschen, in einem perfekten, nicht erlösungsbedürftigen Zustand. Entweder als Paradies, Sattwa-Yuga oder Götterfunken. Dann geschah etwas, dass den Menschen aus diesem perfekten Zustand herausriss und ihn seitdem erlösungsbedürftig machte. Ab diesem Zeitpunkt ist die Kehrwende eine menschliche Notwendigkeit. Die Kehrwende ist als immer eine Art Rückkehr, Wiedervereinigung und Wiederherstellung des Menschen. In den meisten Systemen ist die Sprache davon, dass die Seele bzw. der Geist des Menschen geläutert, gereinigt und nun in einer Weise veredelt, wertvoller und reicher zurückkehrt. Oft ist auch die Rede davon, dass der Mensch aus der Einheit in die Dualität gefallen ist und nun wieder zur Einheit strebt. Meist die Einheit mit etwas Absolutem.
Kehrtwende führt zur Einkehr – Einkehr führt zur Kehrtwende
Eine Gemeinsamkeit der oben grob Beschrieben Konzepte und Glaubenssystemen, ist die Tatsache, dass alle eine Art innerer Einkehr des Menschen als Hilfsmittel bei der Kehrtwende beschreiben. Egal ob Meditation, Konzentration oder Kontemplation – alle Methoden arbeiten mit dem Bewusstsein des Menschen. Und somit verallgemeinernd gesagt mit dem inneren, dem seelisch-geistigen Menschen.
Dabei ist zu beobachten, dass eine Kehrtwende immer eine Einkehr enthält. Jedoch führt eine Einkehr nicht immer zur Umkehr beziehungsweise zu einer Kehrtwende. Warum das so ist, kann sich jeder selbst fragen und versuchen zu beantworten. Meine persönliche Haltung und Antwort auf diese Frage, gebe ich am Ende des Artikels.
Der Mensch muss also bewusst seine Aufmerksamkeit vom aktuellen Tagesgeschehen im Außen abziehen, und seine Aufmerksamkeit nach innen richten. Dabei hilft es meistens sehr gut, wenn die Augen geschlossen sind und eine ruhige Atmung einsetzt. Der Mensch hat nun keine visuellen Reize der Außenwelt mehr, die er verarbeiten muss. Nun öffnet sich bei den meisten Menschen eine Art innerer Raum des Bewusstseins. Die letzten Eindrücke der Sinneswelt verblassen. Es entsteht Leere bzw. Raum, der nun mit neuen, inneren Eindrücken gefüllt wird bzw. werden kann. Dies können Bilder, Töne, Worte, Gedanken, Gefühle, Farben und sonstige Regungen sein. Je öfter und je länger dieser Zustand aufgesucht wird, desto intensiver sind oder werden die Eindrücke und Erfahrungen mit der Zeit.
Warum beschreibe ich diesen Einkehrprozess so ausführlich?
Warum ist er so wichtig für eine Kehrwende?
Selbstverständlich gibt es noch viele andere und ebenbürtige Wege der Einkehr. Der eben beschriebene ist jedoch ein Prozess, den viele Menschen, aus unterschiedlichsten Kontexten so oder so ähnlich kennen gelernt und ausgeführt haben, und es heute noch tun. Und was eben viele Menschen in ihrer Erfahrung teilen, das in diesem Raum, den die Einkehr öffnet, für viele auch die Kehrtwende beginnt. Die Sicht auf das eigene Leben und Verhalten ändert sich. Und nach und nach verändert sich der Charakter und dann auch das Sichtbare Verhalten des betreffenden Menschen. Die Kehrtwende hat stattgefunden und der Weg zurück, zur Einheit mit Gott, dir selbst und deinem Mitmenschen, der Weg der Erleuchtung, Erlösung und Heiligung bzw. des Heil- und Ganzwerdens beginnt.
Ich wünsche dir viel Freude und auf dem Beginn deiner Reise nach der Einkehr und der Kehrtwende. Falls du schon unterwegs auf diesem Weg bist, freue ich mich immer über Reiseberichte eines Menschen auf diesem Weg nach der Kehrwende. Der Austausch darüber ist meines Erachtens immer aufbauend, ermutigend und vereinend.
Persönliche Stellungnahme
Ich gehe davon aus, dass alles Leben, die gesamte sichtbare und unsichtbare Schöpfung von einem absoluten, persönlichen Gott geschaffen wurde. Dieser Gott ist dreieinig. Der Weg um ihn kennen zu lernen führt über Jesus Christus und seinen heiligen Geist der Wahrheit.
Gott schuf alles Leben aus seiner Liebe heraus. Daher ist es letztlich eine Gnade, ein unverdientes Geschenk, dass wir leben dürfen. Ein großer Grund zur Freude und Dankbarkeit, welche einen Wunsch nähren diese Liebe zu erwidern. Und da es um echte Liebe geht, geht es auch um echte Freiheit. So wie der physische Körper atmen muss, um zu überleben, muss der innere Mensch, seinen Wesenskern, seine Einheit aus Seele und Geist abwenden, von den Dingen und Wesen, welche ihn von Gott trennen, und sich dem zuwenden, was ihn zu Gott führt. Eine Kehrtwende hin zu Gott. Ohne diese Kehrtwende tritt der Tod ein für den inneren Menschen, da er sich von der Quelle allen Lebens trennt. Dies verläuft anders, und nach unseren Maßstäben zeitlich nicht unmittelbar ab. Aber die Auswirkung ist ebenso sicher, als wenn der die Lunge keinen Sauerstoff mehr aufnimmt. Sowie die Form ist auch die Zeit eine Schöpfung Gottes. So kommt es, dass unser Zeitverständnis und -empfinden anders ist als das von Gott. So ist das Atmen, eine Notwendigkeit, aber kein Zwang des Menschen. Er kann aufhören zu atmen, doch das zieht die Konsequenz des physischen Todes nach sich. So kann auch der innere Mensch sich von Gott abwenden, obzwar es eine Notwendigkeit ist mit ihm verbunden zu bleiben, um zu leben. Doch er kann sich in Freiheit abwenden, mit der Konsequenz, dass er sich vom ewigen Leben trennt. Deshalb sagte Jesus: Johannesevangelium 10,10: „10 Ein Dieb will rauben, morden und zerstören. Ich aber bin gekommen, um ihnen das Leben in ganzer Fülle zu schenken.“ (Neues Leben Bibel)
Da die Auswirkungen einer Abkehr von Gott oft nicht unmittelbar bemerkt werden, ist es umso wichtiger darauf acht zu geben, dass wir uns nicht von Gott als der Quelle des Lebens abwenden. Das beschreibt schon ein Zitat aus der Bibel sehr treffend:
Sprüche 4,23: „Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben.“ (Luther 2017)